Rezension

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen

Titel Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen
Reihe
Band Einzelband
Autor Ava Reed
Übersetzer
Illustrator Ava Reed (Handlettering)
Verlag Ueberreuter Verlag
Erschienen als Hardcover mit Schutzumschlag
Genre Roman
Preis 16,95€
Seitenzahl 320 Seiten
Bewertung
Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen
Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen ist ein Buch, das es sich zu lesen lohnt. Nicht nur die Gestaltung des Covers und einiger Buchseiten ist absolut sehenswert, vor allem die Handlung des Romans hat mich zu tiefst berührt und nachdenklich gemacht. Warum, liest du hier.

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen ist mein erstes Buch der Autorin Ava Reed, die ich bisher nur als sehr sympathische und offene Frau auf Instagram kannte. Dass sie mehrere Bücher veröffentlicht hatte, wusste ich. Nur leider hatte bisher noch keines seinen Weg zu mir gefunden. Ein großer Fehler, wie sich bei der Lektüre von Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen ziemlich schnell herausgestellt hat. Denn der Roman hat mich mit seiner Geschichte umgehauen und zu tiefst bewegt. Denn das Thema, über das Ava Reed in ihrem Roman schreibt, ist kein einfaches: Es geht um seelische Gesundheit und Gleichgewicht, Depressionen, Ängste und Panikattacken – kurzum: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen thematisiert alles, was in unserer modernen Leistungsgesellschaft totgeschwiegen wird. Dabei ist dieses Thema so unglaublich wichtig, da Lenis Geschichte zeigt, dass seelisches Gleichgewicht etwas ist, das man erst zu schätzen lernt, wenn man es nicht mehr hat. Doch der Reihe nach.

Lenis Geschichte in Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen hat mich emotional tief bewegt

Als Leser begleiten wir Leni auf ihrer Geschichte. Zunächst ist Lenis Leben ganz normal. Sie geht zur Schule und steht kurz vor ihrem Abschluss. Doch ganz plötzlich ändert sich etwas. Während Leni es zu Beginn noch zu leugnen und überspielen versucht, wird es mit der Zeit immer schlimmer. Die Diagnose: Depression. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, auf dem wir Leni begleiten.

Was mich an Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen besonders berührt hat: Alle Figuren wirken realistisch und echt. Sie wirken aufgrund ihrer Krankheiten scheinbar schwach, sind in ihrem Inneren aber stärker, als sie es sich selbst eingestehen (können). Was mir aufs Äußerste imponiert hat, waren gleich zwei Punkte. Zum einen schafft es Ava, die komplexen Themen Depression und Panikattacken nachvollziehbar darzustellen und vor allem emotional begreifbar zu machen. Lenis Ängste, Gedanken und Wünsche waren so gut dargestellt, dass ich mich wirklich in sie hineinfühlen und mich stellenweise in ihr wiederentdecken konnte. Zum anderen kamen mir die Figuren zu keiner Zeit überzeichnet oder karikiert vor.

Dabei schafft es Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen dennoch, eine gewisse Leichtigkeit zu behalten, und den Fokus vom Negativen auf das Positive zu lenken. Eine Haltung, die ich überaus inspirierend finde. Was das Buch zusätzlich noch geschafft hat: Es hat meinen Horizont erweitert. Zwar kennt jeder von uns das Gefühl, mal nicht mehr weiterzuwissen oder am Boden zu sein, aber das sind Phasen, die zum Leben dazugehören. Eine Depression ist um ein Vielfaches schwerwiegender. Denn wenn einem die Kraft fehlt, auch nur das Bett zu verlassen, ist das etwas, dass ich mir nicht aus eigner Erfahrung vorstellen kann. Dieses Buch hat mir diese Gefühle nähergebracht. Ich möchte nicht sagen, dass ich nun weiß, wie es sich anfühlt, oder dass ich nun verstehe, wie sich Betroffene fühlen. Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen macht die Gefühlswelt Betroffener allerdings begreifbarer, gerade dann, wenn sie nicht für sich selbst sprechen können.

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen thematisiert, was gesellschaftlich tabuisiert wird

Ava Reed hat mit ihrem Roman ein Werk geschaffen, dass vor allem in der aktuellen Zeit unbedingt gelesen werden muss. Es schafft Verständnis für seelische Erkrankungen, die heute immer noch viel zu oft und viel zu leicht totgeschwiegen werden. Es verschafft Betroffenen Gehör und vielleicht sogar eine Möglichkeit, ihre Situation für andere begreifbarer zu machen. Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen ist ergreifend, emotional und zugleich auch hoffnungsfroh. Gerade auch Avas Vor- und Nachworte sind berührend, Worte, die es verdient haben gelesen zu werden.

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen ist nicht nur wunderschön geschrieben, sondern auch liebevoll gestaltet

Bereits das Cover ist unglaublich schön. Nach der Lektüre finde ich es sogar noch schöner als vorher. Wer das Buch gelesen hat, wird mir an dieser Stelle vermutlich zustimmen können. Die Farbgebung und der Titel in Handlettering machen dieses Buch bereits von außen zu einem absoluten Hingucker. Da man Bücher jedoch nie nach ihrem Cover beurteilen sollte – und für Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen gilt das in besonderer Weise – war ich von der inneren Gestaltung noch stärker überrascht. Denn das Buch ist mit von Ava Reed handschriftlich erstellen Seiten versehen, die so wundervoll, stimmungsvoll und treffend gestaltet sind, dass ich wirklich das Gefühl hatte, Lenis Tagebuch in Händen zu halten. Die Liebe und Mühe, die Ava in ihren Roman gesteckt hat, ist nicht nur auf jeder Text- sondern insbesondere auch auf diesen Tagebuchseiten ersichtlich.

Ihr merkt es meiner Rezension vielleicht an: Das Thema hat mich sehr berührt und zum Nachdenken gebracht. Ava hat es geschafft, mir die Thematik näher zu bringen und eine neue Art von Verständnis geschaffen. Ich kann euch Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen wärmstens ans Herz legen, denn neben all der Ernsthaftigkeit bewahrt sich das Buch eine Leichtigkeit und vor allem eines: Hoffnung.

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2 responses to “[Rezension] Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen

    1. Hallo Yvonne,

      „Mängelexemplar“ habe ich bisher nicht gelesen, nur eben schnell den Klappentext. Aber ja, es scheint in eine sehr ähnliche Richtung zu gehen. Hast du Mängelexemplar schon gelesen?

      Liebe Grüße
      Nina

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