Rezension

Im Wasser sind wir schwerelos

Titel Im Wasser sind wir schwerelos
Reihe
Band Einzelband
Autor Tomasz Jedrowski
Übersetzerin Brigitte Jakobeit
Illustrator:in
Verlag Hoffmann und Kampe
Erschienen als Hardcover
Genre Roman
Preis 23,00 €
Seitenzahl 221 Seiten
Bewertung
Im Wasser sind wir schwerelos
Im Wasser sind wir schwerelos

Bücher, die einen noch lange nach dem letzten Satz begleiten, sind selten. Im Wasser sind wir schwerelos von Tomasz Jedrowski ist eines davon.

Im Wasser sind wir schwerelos hat eine Sprache, die im Kopf bleibt

Was mich von der ersten Seite an gepackt hat, ist der Schreibstil. Poetisch, bildhaft, melancholisch und dadurch extrem fesselnd. Tomasz Jedrowski zeichnet ein eindringliches Bild Polens in den 1980er Jahren, und die Atmosphäre trägt maßgeblich dazu bei, wie nah einem diese Geschichte geht. Auf der Gefühlsebene bewegt man sich beim Lesen zwischen verliebt und bedrückt-hoffnungslos – was die Situation so vieler Menschen zur im Buch beschriebenen Zeit widerspiegelt, aber leider auch die der Gegenwart.

Im Fokus stehen Ludwik und Janusz

Im Mittelpunkt steht die Coming-of-Age- und Liebesgeschichte von Ludwik, die so intim und berührend geschrieben ist, dass sie mich noch eine ganze Weile begleitet hat. Ludwik leidet unter der Enge und Unfreiheit der sozialistischen Gesellschaft, liest leidenschaftlich gerne und findet in James Baldwins Giovanni’s Zimmer einen Schlüssel zu seiner eigenen Identität. Er kann und will sich nicht verbiegen, um im System Karriere zu machen, was ihn letztlich zur Emigration treibt.

Janusz ist sein Gegenentwurf: charmant, charismatisch, aber pragmatisch bis in die Knochen. Er kennt die Machtverhältnisse und ist bereit, Kompromisse einzugehen, auch mit seiner eigenen Identität. Während der Sommerwochen am verborgenen See sind die beiden gleichgestellt und frei, weit weg vom sozialistischen Alltag. Zurück in Warschau spaltet der Umgang mit der Diktatur ihre Beziehung: Ludwik wählt die innere Freiheit, Janusz die äußere Sicherheit. In diesem Bruch liegt das emotionale Problem der Geschichte.

Im Wasser sind wir schwerelos ist ein außergewöhnlicher Debütroman: poetisch, melancholisch und von einer Schönheit, die wehtut. Eine absolute Leseempfehlung.

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