Rezension

Der Duft von Tee

Der Duft von Tee von Hannah Tunnicliffe
8,99€ als Taschenbuch
Erschienen im Diana Verlag
400 Seiten
4,5 Punkte

Der Duft von Tee in drei Worten?

Geschichte einer Ehe, Geschichte einer Kindheit, Selbstverwirklichung.

Wie war die Handlung?

Die Handlung in Der Duft von Tee ist auf den ersten Blick nicht sonderlich ergiebig. Schaut man dann jedoch genauer hin, erhält man eine tiefenpsychologische Geschichte, die die rudimentären Ängste der Protagonistin transportiert und verhandelt. Grace folgt ihrem Mann Pete für dessen Job nach Macao. Doch die junge Frau wünscht sich nichts sehnlicher als ein eigenes Kind. Im Verlauf des Romans erhält man einen Einblick in ihre eigene Kindheit und durchlebt so manchen Schicksalsschlag mit Grace. Doch auch den Weg raus aus der Depression und Angst wird gezeigt.

Wie waren die Figuren?

Grace und Pete, Gigi, Rilla und Marjory haben mir sehr gut gefallen. Keiner von ihnen ist perfekt und alle machen Fehler, doch sie verändern sich. Wachsen und Gedeihen und lernen voneinander. Das fand ich unglaublich schön. Leider konnte ich Grace nicht auf jeder Seite verstehen, wollte sie ab und zu packen und zur Räson bringen. Aber genau das macht ein gutes Buch für mich aus. Der Charakter soll sich nicht verändern nur weil ich es will, sondern wenn es Zeit für ihn ist. Wenn die Handlung ihm/ihr den Rahmen dazu bietet. Und das hatte ich hier gleich mehrfach.

Wie war der Schreibstil?

Der Schreibstil wirkt leicht tagebuchartig. Grace wird als Erzählinstanz eingesetzt, sodass der Leser alles aus ihrem Blickwinkel erfährt. Einige Sätze wirken leicht abgehackt, was für mich den Charakter eines Tagebuchs hervorrief und mich nicht im Geringsten störte. Vor allem die Wortwahl der Figur hat mir gefallen. Die Kapitelüberschriften sind mit französischen Namen (und deren Übersetzungen) der Macarons versehen und auch im Charakter der Grace wird diese Liebe zu Frankreich abgebildet.

Was war gut?

Mir hat gefallen, dass Grace ihr Leben in die Hand nimmt und etwas darin verändert. Sie sieht nicht mehr einfach tatenlos zu und lässt das Leben an sich vorbeiziehen. Sie hat ein hartes Los und muss gegen die daraus resultierende Depression ankämpfen. Und ihr Kampf war durchaus realistisch. Sie steht nicht einfach auf und ist glücklich. Sie muss eine schwere Kindheit verarbeiten und ihre Ehe kitten.

Was war nicht so gut?

Ich hätte gerne noch einen kleinen Ticken mehr emotionale Tiefe gehabt. Man konnte sich schon gut in Graces Seelenleben einfühlen und auch ihr Schmerz war spürbar, aber ein Einblick in Petes Seelenleben hätte mir gut gefallen.

Gibt es etwas Außergewöhnliches?

Es gibt nur wenige Bücher, die sich mit Depression, bipolarer Störung und daraus resultierendem manischen Verhalten von Menschen beschäftigen. Dieses Buch verbindet diese schweren Themen ohne sie zu sehr an die Öffentlichkeit zu zerren. Sie werden dem Leser langsam gezeigt, es grenzt fast schon an eine Offenbarung. Man weiß nun endlich, womit einige Figuren zu kämpfen hatten, auch wenn die betroffene Figur in der Geschichte nur passiv vorkommt.

Kann ich Der Duft von Tee weiterempfehlen?

Das Buch hat eine Empfehlung definitiv verdient. Ich hatte mir einen lockeren Chicklit-Roman erwartet und bekam ein tiefenpsychologisches Buch, das mit den Ängsten der Protagonistin arbeitet. Dabei finde ich die Umsetzung sehr gelungen. Die Krankheiten treten nicht zu sehr in den Vordergrund, sondern eher die Selbstverwirklichung der Protagonistin Grace.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

    1. Danke, das freut mich. Das Buch war auch ein besonderes. Es beschäftigt sich mit einigen Themen, die man eher Abseits findet. Dabei ist es gefühlvoll und nicht zu temporeich. Es ist einfach sehr realitätsnah.
      Gerne!

      Liebe Grüße ^^

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