Rezension

Das Herz der Lilie

Titel Das Herz der Lilie
Reihe Die Lilien-Reihe
Band Sammelband
Autorin Sandra Regnier
Übersetzer:in
Illustrator:in
Verlag Carlsen Verlag
Erschienen als Taschenbuch
Genre Jungendbuch, Phantastik
Preis 9,99 € (als e-book)
Seitenzahl 670 Seiten
Bewertung

Das Herz der Lilie
Das Herz der Lilie
Wenn ein Sammelband auf 670 Seiten kommt, ist das erst einmal beeindruckend – hier aber leider nicht nur im positiven Sinne. Warum ich mir beim Lesen von Das Herz der Lilie immer wieder das Gefühl hatte, dass krampfhaft drei Teile gefüllt werden sollten, liest du hier:

​In Kurzform lässt sich mein Leseerlebnis mit Das Herz der Lilie so zusammenfassen: Viele Seiten, wenig Fokus. Denn auf 670 Seiten passiert erstmal gar nicht so viel. Und das fand ich enorm schade, denn die Grundidee hat mir gut gefallen und bietet einige an Potenzial. Leider verliert sich die Geschichte immer wieder in Fillertexten und ausufernden Beschreibungen. Stellenweise habe ich nur noch quer gelesen, weil mir die Lust abhanden kam. Weil ich aber wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht, habe ich zum Ende vorgeblättert und den Schluss gelesen. Und das hätte ich mal besser bleiben lassen.

Das Herz der Lilie hätte anstelle einer Reihe auch ein besserer Einzelband sein können​

Ich habe es oben schon erwähnt: Die Grundidee der Geschichte gefiel mir gut. Die Protagonistin Julia landet durch einen Zufall plötzlich am Hof Ludwig des 14. im 17 Jahrhundert. Zunächst hält sie die Situation für einen besonders echten Traum und genießt die Situation in vollen Zügen – was ich vermutlich genauso gemacht hätte. Erst nach und nach wird ihr klar, dass sie nicht einfach nur enorm lebending träumt, sondern tatsächlich in die Vergangenheit geraten ist. Leider wurde das große erzählerische Potenzial nur teilweise genutzt.

Zu Beginn hat Julia so ihre Schwierigkeiten durch ihre fehlenden Französischkenntnisse. Stark zu schaffen macht ihr das strenge Hofzeremoniell, das zwar eine Rolle spielt, aber über den Status als Erzählkulisse nicht hinauskommt. So geht es auch einigen anderen Punkten: Man bekommt zwar ein Gefühl für die Epoche, aber vieles bleibt Kulisse. Da das Buch bereits älter und für ein jüngeres Publikum geschrieben ist, kann hierfür eine Ursache sein.

Das Herz der Lilie: Zeitreise mit Logiklöchern

Problematisch war für mich weniger die Idee des Zeitsprungs als ihre Umsetzung. Julia reist nicht nur durch die Zeit, sondern gleich auch räumlich: Ihr Pferd geht im deutschen Wald wegen eines Wildschweins durch und sie landet im Wald von Versailles, wo ausgerechnet Ludwig höchstpersönlich sie bei der Jagd findet – sehr viel Glück auf sehr engem Raum.

​Sie wird Ludwigs Mündel und an einen unverheirateten, kratzbürstigen, natürlich reichen und einflussreichen Adligen „weitergereicht“, mit dem sich eine klassische Hass-Liebe entwickelt. Er ist der umschwärmteste Mann am Hof, ein paar Jahre älter und bringt ihr Französisch sowie alles bei, was eine Dame der feinen Gesellschaft können sollte. Klingt einem zu runden Ablauf? Ja, fand ich auch. Denn Julia stellt sich nicht gerade gut bei ihrer Zeitreise an. Wer täte das schon? Glück für sie, dass sie nicht als Hexe in die Kerker gesperrt wurde.​

Kommen wir aber zum Ende des Buchs, meinem Knackpunkt. Das war für mich nämlich richtig, richtig frustrierend. Aus Spoilergründen packe ich an dieser Stelle hier eine Spoilerbox rein. Wer das Buchende nicht erfahren möchte, bitte nicht mit der Maus auf die Spoilerbox gehen. ^^

Das Ende war in meinen Augen viel zu einfach und super unmotiviert. Julia ist nämlich nicht wirklich ins 17. Jahrhundert und durch Europa gereist, sie lag im Koma und hat geträumt. Und nicht nur das, der faszinierende junge Graf von Montsauvan, bei dem sie unterkommt und in den sie sich verliebt, ist ebenfalls ein Zeitreisender im Koma! Und nicht nur das, die beiden liegen sogar im selben Krankenhaus. Eventuell bin ich hier seltsam, aber ich mag meine Zeitreisen ein wenig logischer.

Später, auf einer Klassenfahrt nach Versailles, sieht sie ihn wieder. Und er erinnert sich an sie. Es gibt sogar ein Gemälde der beiden aus der Vergangenheit! Spätestens da ergab vieles für mich keinen Sinn mehr: Wenn er sich erinnert, warum war er in der Vergangenheit so perfekt in seine Zeit eingebettet und nicht ebenfalls mit modernem Wissen unterwegs? Diese Logiklücke hat mir einen Großteil der Stimmung zerstört; ich fühlte mich beim Lesen ehrlich gesagt ziemlich veralbert.

Das Herz der Lilie ist kein komplett schlechtes Buch: Die Zeitreise-Idee, Versailles als Setting und einzelne Szenen haben definitiv Potenzial, und der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar. Die Mischung aus Längen, Füllkapiteln und einem Ende, das selbst für ein junges Zielpublikum schwer zu schlucken ist, wiegt für mich aber deutlich schwerer.

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